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Kunstausstellung "Zugvögel auf der Durchreise" – Von Pfuhlschnepfe, Knutt & Co.

  Bild von Bernd Nöhre
Künstler: Bernd Nöhre
   
  Bild von Bernd Pöppelmann
Künstler: Bernd Pöppelmann
   
  Bild von Walburg Dittrich
Künstler: Walburg Dittrich
   
  Bild von Steffen Walentowitz
Künstler: Steffen Walentowitz
   
  Bild von Claus Rabba
Künstler: Claus Rabba

Zugvögel sind wie internationale Vielflieger. Mal hier, mal da und immer unterwegs. Sie sind die wahren Global Player auf unserem Planeten. Von Putins sibirischen Tundramücken, über schmackhafte norddeutsch-schlickige Wattwürmer, bis zu delikaten Schnecken an der westafrikanischen Atlantikküste – Grenzen haben sie nie interessiert und sie kennen auch keine Passkontrollen!

In diesen Wochen der beginnenden Herbstzeit befinden sich Pfuhlschnepfe, Knutt & Co., auf der Durchreise in die Winterquartiere, im Landeanflug auf den Gourmettempel "Wattenmeer". Jetzt wirkt das expressive Ölbild des Luxusresorts "Mariensieler Salzwiesen" des Wilhelmshavener Künstlers Bernd Nöhre, mit seinen farbenfrohen Quellern und Seegras wie eine Einladung zum sofortigen Verweilen. Nach einem Frühstücksbuffet mit schmackhaften Meeresfrüchten steht am nächsten Vormittag "Wattenkultur" auf dem tierischen Pflichtprogramm.

Steht doch in diesem Jahr, zusammen mit den 10. Zugvogeltagen, auch die Kunstausstellung "Zugvögel auf der Durchreise" im UNESCO-Weltnaturerbe Wattenmeer Besucherzentrum an, zu der sich 13 namhafte KünstlerInnen mit Vogelporträts und Landschaftsarbeiten kräftig in Pinsel und Farbe ausgedrückt haben.

Als Zugvogel des Jahres 2018 sticht die Pfuhlschnepfe sofort ins Auge. Rostrotes Schaulaufen im Schlick ist auf der Leinwand angesagt. In bestem Prachtgewand, eingekleidet von keinem Geringeren als dem Steinfurter Tiermaler Bernd Pöppelmann, warten die Herren der Schöpfung mit brustgeschwellter Farbkraft eitel auf den Applaus der geflügelten Damenwelt.

Diese halten es jedoch eher mit der zurückhaltenden Eleganz und porzellanzarten Schlichtheit nach Meißener Vorlage, wie sie in den Bildern von Walburg Dittrich zu finden ist. Ihre tierische Devise lautet: Dezenz ist Trumpf! Einziger Schmuck, der leicht lila-farbene Strich am länglichen Schnabel, auf der Suche nach delikaten Spitzwürmern und frischem Krebsfleisch.

Sportlich schick und durchtrainiert dagegen erscheint die Pfuhlschnepfe "E7" des bekannten Tierzeichners Steffen Walentowitz aus dem friesisch-herben Jever. Ihr fliegender Auftritt betont in feinsten Pinselstrichen und weich gesetzten Aquarelltönen die detailreichen Nuancen ihres dekorativen Federkleides. Der mitfliegende Minisender am Ende des Schwanzes hat die Schnepfendame zur offiziellen Weltmeisterin im 1500-Kilometer-Non-stop-Flugs über den Pazifik gekürt.

Nur wenig mehr als eine Handvoll Gewicht bringt der kleine Sandregenpfeifer auf die Waage. Genug, um den Vareler Künstler und Dozenten Claus Rabba zu einem zarten Portrait zu inspirieren. Seine ornithologische Genauigkeit, verfeinert mit einer Prise Lebendigkeit in den Vogelaugen, lassen eine Komposition entstehen, die das Ringen des Künstlers um Perfektion spüren lässt.

Die Ringelgänse eines Andreas Magnus Janssen haben es da schon einfacher. Kräftig an Gewicht und robust im Korpus, weiß ihr Maler aus der Südstadt sie im kurzen Moment des Auffliegens mit schnellen Pinselstrichen in die widerspiegelnde Feuchtigkeit des Wattenbodens zu kleiden. Das flirrende Mittagslicht der warmen Sonne und ein zarter Dunstschleier geben dem Bild die Leichtigkeit, die den Betrachter zum Stehenbleiben animiert.

Ruhig und bedächtig dagegen die fliegenden Nonnengänse im Triptychon des Buten-Schlicktowners Jens-Peter Tschuschke aus Hamburg. Auf grauem Rohleinen aufgetragen weiß er um die Tricks seiner geliebten Zugvögel. Keusch gewandet in die schlichte Ordenstracht von Nonnen, schätzen sie den kürzesten Weg zu den Köstlichkeiten in abgemähten Getreidefeldern.

Die selbstbewusst auftretende Nilgans vom Wilhelmshavener Maler Buko Königshoff hat das nicht mehr nötig. Er weiß um die launische Biestigkeit seiner "Alopochen aegyptiaca" bei schlechtem Bordservice und hat ihr vorsichtshalber gleich ein reisefertiges Lunchpaket auf den Rücken geschnallt. "Back to the roots" ist bei ihr die Tagesdevise und die Pyramiden sind Richtfeuer und Rückkehrort in einem.

"Birds landing" nennt Michael Karl Harms vom Börsenplatz sein Bild wild flatternder Knutts. Wie kein anderer Maler gibt er mit kurzen, breit und schnell gesetzten Pinselstrichen dem Motiv genau die Expressivität in Farbe und Auftrag, die das Bild benötigt, um die einzelnen Vögel zu einem undurchlässigen Schwarm zu verdichten.

Kein Jadebusen ohne die herbstlichen Naturgewalten, keine Nordseeküste ohne Leuchttürme und keine Zugvogeltage ohne Gänse. Man muss wohl, wie Harro Maass, ein gebürtiger Wangerooger sein, um aus eigener Erfahrung den "blanken Hans" mit seinen peitschenden Winden und haushohen Wellenbergen dramatisch in Aufbau und Farbe auf die Leinwand zu bringen.

Ganz anders dagegen Christopher Schmidt von der holsteinischen Seenplatte, im Festhalten eines Moments. Sein zart durchsichtiges Aquarell der Zwergseeschwalben ist für ihn mehr als nur gemalte Naturimpressionen, sondern sein persönlicher Ausdruck eines emotionalen Erlebens beim Betrachten der Vögel.

Koordinaten, Funkwellen, Richtfeuer oder Seekarten. Der gebürtige Ostfriese und freischaffende Künstler Reno Lottmann stellt in seiner Druckgrafik die Frage nach der Orientierung der Zugvögel. Vom Dunkel der Nacht bis zur Helligkeit der Sonne, seine Zugvögel sind echte Pfadfinder. Sie benötigen kein GPS oder Google Earth. Als Kompass reichen ihnen Sonnenstand, Sterne und das Magnetfeld.

Und last, but not least: Jan Weinbecker. Der gebürtige Wilhelmshavener, Künstler, Nationalparkranger und Langeoog-Fan überzeugt immer wieder mit seinen naturnahen und farbgenauen Arbeiten. Sein Kiebitz mit metallisch grün-grau schimmerndem Mantel und blau-violettem Schulterfleck gehört zur Ordnung der Wat-, Möwen- und Alkenvögel, den Kopf verziert von einer zweizipfligen Haube, die auch als Holle bezeichnet wird.

Bild von Andreas Magnus Janssen
Künstler: Andreas Magnus Janssen
Bild von Jens-Peter Tschuschke
Künstler: Jens-Peter Tschuschke
 
Bild von Buko Königshoff
Künstler: Buko Königshoff
Bild von Michael Karl Harms
Künstler: Michael Karl Harms
 
Bild von Harro Maas
Künstler: Harro Maas
Bild von Christopher Schmidt
Künstler: Christopher Schmidt
 
Bild von Reno Lottmann
Künstler: Reno Lottmann
Bild von Jan Weinbecker
Künstler: Jan Weinbecker


Ausstellung: "Schön, vielfältig und schützenswert"

Insekten im Nordwesten

  Kai Jäkel, Torf-Mosaikjungfer
Foto: Kai Jäkel, Torf-Mosaikjungfer

Sie sind schön, sie sind nützlich - und sie sind extrem gefährdet. Die Rede ist von unseren heimischen Insekten. Ob auf unseren Feldern, Wiesen, Gärten oder Parks, für Bienen, Schmetterlingen & Co. wird der Rückgang Jahr für Jahr immer dramatischer.

Es ist stiller geworden auf den Balkonen mit lecker gedecktem Pflaumenkuchen, den blühenden Bauerngärten mit den nach Nektar suchenden Hummeln oder den langen Rispen des Sommerflieders, die vergeblich nach farbenfrohen Faltern Ausschau halten. Vielfach herrscht ein inzwischen steril steingewordener Baumarktstil ohne Summen und Brummen, ohne Blühflächen, ohne Insekten- und Pflanzenvielfalt und ohne Laubhaufen. Ordnung ist das halbe Leben, gilt immer mehr auch für Deutschlands Gärten.

Es stellt sich somit längst nicht mehr die Frage, ob die Insektenwelt in Schwierigkeiten steckt, sondern vielmehr, ob und wie das Insektensterben überhaupt noch zu stoppen ist.

Sind doch Insekten die Grundlage unseres Ökosystems und machen etwa zwei Drittel allen Lebens auf der Erde aus. Seit Jahrmillionen existieren sie, gehören zur Artenvielfalt zwingend dazu. Sie sind nicht nur wichtige Bestäuber von Pflanzen und Obstplantagen, sondern auch biologische Schädlingsbekämpfer und lebensnotwendige Nahrungsquelle für Vögel und Fische. Je weniger Blütenpflanzen es gibt, umso mehr schrumpft die Nahrungsgrundlage der Insekten. Der Kreis schließt sich mit den heimischen Vögeln, die die Insekten zum Leben und Überleben benötigen.

Da durchgreifende Reaktionen aus Politik, Landwirtschaft aber auch Haus- und Gartenbesitzer immer noch auf sich warten lassen, haben sich die BUND-Kreisgruppen Friesland, Wilhelmshaven und Ammerland sowie der BUND-Regionalverband Ostfriesland entschlossen, mit einem jurierten Fotowettbewerb die Einmaligkeit der bedrohten Insektenvielfalt weiter in die Öffentlichkeit zu tragen. Herausgekommen sind über 25 beeindruckend schöne Großaufnahmen, die alle von Hobby- oder professionellen Natur- und Tierfotografen aus der Region stammen. Die Fotos stehen als Anreger, wie lebendig und vielfältig es sein kann, wenn im eigenen Garten bereits ein wenige Quadratmeter großes Biotop entsteht, um die Notlage der Insekten ein wenig zu lindern.

Die Ausstellung will zudem Lust machen, bereits jetzt in der winterlichen Jahreszeit, für den Sommer einen insektenfreundlichen Garten oder Balkon zu planen. Insekten, Vögel und das menschliche Augen werden es danken.